Der Equilibrist ist ein Gleichgewichtskünstler, ein Artist, der zum Beispiel mühelos auf einem Seil spaziert oder der Gegenstände balanciert und im Gleichgewicht hält. Der Mensch ist durch seine evolutionäre Aufrichtung mit dem Gang auf zwei Beinen selbst zum alltäglichen Equilibristen geworden. Der Gang auf zwei Beinen gehört zu den anspruchsvollsten Balanceleistungen, die die Natur hervorgebracht hat. Die Philosophie spricht vom Äquilibrismus, wenn sie versucht, die menschliche Handlungsfreiheit zu fassen, indem sie postuliert, sie sei nur bei völligem Gleichgewicht aller Willensmotive gegeben. Äquilibration ist ein Prozess der Selbstregulierung eines Organismus oder eines Systems in Bezug auf seine Umwelt. Diese Regulation wird durch Koordination, Adaption, Assimilation und Akkommodation erreicht und erzeugt die angestrebte Aufhebung eines inneren Spannungszustandes und ist die treibende Kraft der kognitiven Entwicklung. Dieser Prozess dient zur Ausbildung immer höherer und adäquater Gleichgewichtszustände und neuer kognitiver Strukturen. Die spontane Aktivität des Individuums wird für diesen Prozess benötigt, da das Individuum sich selber Anregungen schaffen muss, um seine Neugierde zu wecken. Merkmale dieses Lernprozesses sind Differenzierung und Abstraktion.